8'412 Wohnbaugenossenschaft Eigenheim, Romanshorn (1912-1985) (1912-1985)

Archive plan context


Identifikation

Ref. code:8'412
Ref. code AP:8'412
Title:Wohnbaugenossenschaft Eigenheim, Romanshorn (1912-1985)
Creation date(s):1912 - 1985
Related corporations/Families/Persons:1883 - 1992
Level:Hauptfonds

Umfang

Running meters:12.00
Number:129
Archival Material Types:lose und gebundene Papierakten, Pläne, Fotos

Range of activity

Provenienz:Wohnbaugenossenschaft Eigenheim, Romanshorn
Verwaltungsgeschichte/Biographische Angaben:Nachdem 1855 die Bahnlinie Winterthur-Romanshorn eröffnet worden war, wurde Romanshorn um 1870 zu einem eigentlichen Verkehrsknotenpunkt ausgebaut. Die neuen Bahnlinien nach Rorschach und Kreuzlingen/Konstanz sowie der Gütertrajektverkehr nach Friedrichshafen und Lindau brachten eine Zunahme des Verkehrs und damit des Verkehrspersonals. Das führte dazu, dass zu wenig Wohnraum vorhanden war. Es setzte zwar eine lebhafte Bautätigkeit ein, allerdings auf spekulativer Grundlage. Das Angebot an günstigen Wohnungen für Familien war knapp.
Unter diesen Umständen nahm der Gedanke der Selbsthilfe konkrete Formen an. Zudem beschloss der Verwaltungsrat der SBB, durch die Zusicherung der Übernahme der zweiten Hypothek zu bescheidenem Zinsfuss einen weiteren Ansporn zur Verwirklichung des geplanten Wohnungsbaues zu geben.

Die Idee einer Baugenossenschaft wurde am 14. Februar 1912 an einer konstituierenden Versammlung in die Tat umgesetzt. Die vorbereiteten Statuten wurden genehmigt und ein erster Vorstand bestimmt. Rund 100 Mitglieder hatten schon im Laufe des ersten Monats ihre Zugehörigkeit mit Unterschrift bekundet. Damit war die "Baugenossenschaft des Verkehrspersonals Romanshorn", wie sie bis 2005 offiziell hiess, gegründet.

Eine erste bedeutungsvolle Arbeit des Vorstandes war der Erwerb von Bauland. In Romanshorn konnten 419 Aren, in Salmsach 118 Aren Bauland erworben werden. Vier Architekten arbeiteten Überbauungspläne aus, das Projekt des Architekten Oskar Mörikofer von Romanshorn wurde schliesslich umgesetzt. So wurden in dieser ersten Bauphase in Romanshorn 22 Häuser mit 44 Wohnungen und in Salmsach vier Häuser mit zehn Wohnungen erstellt. Die Mietpreise lagen höher als bei Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern, aber dafür boten die Wohnungen eigene Waschküche, Badeeinrichtung, grossen Estrich, Gas- und elektrische Installationen, grossen Garten.

1915 wurde eine Wohnungsinspektionskommission ernannt, die ungefähr alle drei Jahre sämtliche Wohnungen besuchte und dem Vorstand Bericht über Mängel und Ordnung erstattete.
Wegen des ersten Weltkrieges verzögerte sich die Ausführung des zweiten Bauloses um mehrere Jahre. Schliesslich entschied sich die Kreisdirektion IV der SBB 1919, die "Allgemeine Baugenossenschaft" zu gründen, die mit der Baugenossenschaft des Verkehrspersonals in "angenehmer Verbindung" stand, indem sie von dieser Land übernehmen konnte, das 1920 mit zwölf Doppeleinfamilienhäusern überbaut wurde. Mit der Gründung dieser zweiten Baugenossenschaft wurde verhindert, dass die Mietzinsen in den bestehenden Häusern massiv erhöht werden mussten

Nachdem 1924 in einem dritten Baulos von der Allgemeinen Baugenossenschaft sieben weitere Doppeleinfamilienhäuser gebaut worden waren, verlangten die SBB die Fusion dieser beiden Baugenossenschaften, die 1925 Tatsache wurde.

Ab 1929 betrieb der Lebensmittelverein Romanshorn den neuen Laden am Pestalozziplatz. Ab 1961 wurde er von Usego geführt. Er bot eine willkommene Einkaufsmöglichkeit im Quartier, die bis 1969 bestehen blieb.

Speziell war der als Zentrum, Begegnungsort und Kinderspielplatz gedachte Pestalozziplatz. Des weiteren gab es das Präsidentenhaus mit einem zusätzlichen Zimmer und das Magazinhaus, in dem Material für den allgemeinen Gebrauch aufbewahrt wurde.
Bis 1932 wurden zwei weitere, kleinere Baulose verwirklicht. Um die Mitte der 1930-er Jahre führten die Wirtschaftskrise und der Lohnabbau zu einem grösseren Leerwohnungsbestand. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg beschloss die deutsche Reichsbahn, den Trajektverkehr zwischen Lindau-Romanshorn sowie Friedrichshafen-Romanshorn einzustellen. Rund 50 davon betroffene Angestellte sahen sich gezwungen, mit ihren Familien Romanshorn zu verlassen. Mehrere Wohnungen standen längere Zeit leer; bis 1941 konnten aber wieder alle vermietet werden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Nachfrage nach Wohnungen stark an. Zudem richteten die SBB ein Dienstgebäude für den Leitungsunterhalt mit neuen Arbeitsplätzen ein. Die im Baulos 6 im Jahr 1947 erstellten Häuser wurden von der SBB für die Familien der Elektromonteure ("NF-ler") gemietet.

In den 1950-er Jahren standen grössere Renovationen und bauliche Verbesserungen bei Küchen, Badezimmern, Heizungen und Kaminanlagen an. Trotz haushälterischem Umgang mit den finanziellen Mitteln führte dies zusammen mit der allgemeinen Teuerung dazu, dass die Mietzinsen mehrmals erhöht werden mussten.

Um 1965 wurde in einem bislang letzten Baulos die durch die Hochkonjunktur bedingte Wohnungsnot angegangen, indem ein Hochhaus mit zwölf Stockwerken und 37 Familienwohnungen geplant und verwirklicht wurde. Die Architekten waren Heinrich Kunz und Oskar Götti aus Zürich. Bereits 1967 zogen die Mieter ein, und 1968 wurde das Gebäude eingeweiht.

Die Rezession in der Mitte der 1970-er Jahre verringerte die Anzahl der Arbeitsstellen im Verkehrsdienst. Angestellte der Schiffswerft konnten nicht mehr voll beschäftigt werden, rund 15 mussten während des Winters in der SBB-Werkstätte Zürich arbeiten. Die endgültige Einstellung des Güter-Trajektverkehrs nach Friedrichshafen 1976 hatte ebenfalls einen Stellenabbau zur Folge.

Beim Anschluss der Siedlung an die Kanalisation beschloss die Generalversammlung 1973, dass jeder Genossenschafter fünfzehn Pflichstunden für Grabarbeiten zu leisten hatte. Konnte oder wollte er dies nicht erbringen, so zahlte er pro Pflichtstunde acht Franken. Weil die vorgeschriebenen Stunden für die Arbeit nicht ausreichten, wurde das Pensum auf 30 Stunden erhöht. Dank dieser Massnahme sparte die Genossenschaft insgesamt rund 100'000 Franken.

Bauliche Mängel am Flachdach und an der Westfassade des Hochhauses führten gegen Ende der 1970-er Jahre zu teuren Sanierungen. Aus diesem Grund wurde beschlossen, die Nebenkosten für die älteren Zweifamilienhäuser und für das Hochhaus getrennt zu berechnen und den Mietern zu belasten.

In all den Jahren seit Bestehen der Baugenossenschaft bemühten sich die Vorstandsmitglieder, die finanziellen Mittel sparsam und optimal einzusetzen, leerstehende Wohnungen so rasch als möglich wieder zu vermieten und die Mietpreise tief zu halten. Dafür mussten sich die Genossenschaftsmitglieder aber bereit erklären, kleinere Reparaturen und Unterhaltsarbeiten selbständig auszuführen, wie das Streichen der Gartenzäune und der Fensterläden. Auch der Umstand, dass die meisten Vorstandsmitglieder ihre arbeitsintensiven Chargen unentgeltlich oder zu geringen Entschädigungen verrichteten, führte dazu, dass die Mieten tief gehalten werden konnten.
Präsidenten der Baugenossenschaft des Verkehrspersonals

- Hintermann Fritz, Zugführer 1912-1921
- Kobelt Arnold, Souschef 1922-1923
- Keller Albert, Bahnbeamter 1924-1929
- Deutsch Hermann, Zugführer 1930-1953
- Audétat Hermann, Zugführer 1954-1960
- Trösch Erhard, Werfthandwerker 1961-1965
- Bissegger Ernst, Zugführer 1965-1978
- Flacher Walter, Spez. Handwerker 1979-1989

Präsidenten der Allgemeinen Baugenossenschaft

- Bach Ignaz, Sekundarlehrer 1919-1920
- Manz Jean, Zollbeamter 1921-1922
- Studer Alfred, Lehrer 1923-1925

Liste der Architekten

- Baulose 1-3 und 5: Oskar Mörikofer, Romanshorn
- Baulos 4: Architekt Büchi, Amriswil
- Baulos 6: Willi Mörikofer, Romanshorn
- Hochhaus: Heinrich Kunz und Oskar Götti, Zürich
Collection period:1912 - 1985
Bestandsgeschichte:Martin Stettler, der Präsident der Baugenossenschaft Eigenheim, nahm am 27. Februar 2008 Kontakt mit dem StATG auf und erkundigte sich, ob das StATG Interesse am Archiv der Baugenossenschaft habe. Nach einer Sichtung durch A. Salathé und U. Stäheli wurde entschieden, das Archiv zu übernehmen.

Sowohl im Dachgeschoss des Hochhauses als auch im Estrich des ehemaligen Ladens am Pestalozziplatz befanden sich die Akten, die am 7. April 2008 ins Staatsarchiv überführt wurden, Ablieferungsprotokoll 2008-020.
Eine Nachlieferung vom 23. Januar 2009 enthielt Jahresberichte und Protokolle von Generalversammlungen und Vorstandssitzungen sowie Korrespondenz, ein grosser Teil davon Dubletten, Ablieferungsprotokoll 2009-005.

Der Bestand wurde zwischen November 2008 und März 2009 von Christof Sauter in rund 390 Stunden erschlossen.

Inhalt und innere Ordnung

Form und Inhalt:Einige wichtige Aktenreihen sind über den ganzen Zeitraum hinweg ziemlich vollständig vorhanden, so z.B. die Jahresberichte, Protokollreihen zu Vorstandssitzungen und Generalversammlungen sowie Jahresrechnungen und Rechnungsbelege. Die Rechnungsbelege der Jahre 1961-1965, 1969, 1972 und 1974 fehlen. Aus den Jahren 1966, 1970-1971 und 1975 sind die Belege unvollständig.

Auch Akten zur Bauplanung und Bauausführung, zu Renovationen, Sanierungen und baulichen Verbesserungen kommen über den ganzen Zeitraum hinweg vor.

Zugangs- und Benutzungsbedingungen:

Rechtsstatus:Der Bestand ist Eigentum des Staatsarchivs. Der Schenkungsvertrag ist datiert vom 5. September 2008.
Zugangsbestimmungen:Der Bestand steht der Benutzung im Rahmen der für das Staatsarchiv geltenden rechtlichen Grundlagen offen. - StATG 8'412, */* Wohnbaugenossenschaft Eigenheim, Romanshorn
Vorstandsmitglieder können jederzeit Einsicht in die Akten nehmen.
Family tree (image):deutsch

Sachverwandte Unterlagen:

Veröffentlichungen:Stäheli, Cornelia: 100 Jahre Baugenossenschaft Eigenheim Romanshorn 1912–2012, Romanshorn 2012.
Kommentar:Das Ehepaar Fritz und Hedwig Moser-Gossweiler wohnte ab Mai 1932 bis zum Tod (1943 und 1970) an der Heimstrasse in einem Haus der Wohnbaugenossenschaft. Vgl. StATG 8'689 Moser-Gossweiler Hedwig, Genealogin und StATG 8'690 Moser Fritz C., Publizist.

Auch Rudolf Schümperli, Sekundarlehrer, später Regierungsrat, wohnte mit seiner Familie von 1936 bis 1951 an der Heimstrasse. Vgl. StATG 8'663.

Otto Walder, Lokomotivführer, wohnte ab 1945 an der Waldmannstrasse und war 1973-1979 Präsident der Schweizerischen Esperanto-Gesellschaft. Biographie in StATG Slg. 8.1
 

Usage

End of term of protection:12/31/2005
Permission required:Keine
Physical Usability:uneingeschränkt
Accessibility:Oeffentlich
 

URL for this unit of description

URL: https://query-staatsarchiv.tg.ch/detail.aspx?ID=287370
 

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