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4'145 Kriegswirtschaft 2. Weltkrieg, 1939-1975 (Fonds)
Identifikation |
Ref. code: | 4'145 |
Title: | Kriegswirtschaft 2. Weltkrieg |
Creation date(s): | 1939 - 1975 |
Entstehungszeitraum, Streudaten: | from 1921 |
Level: | Fonds |
Umfang |
Running meters: | 4.20 |
Number: | 42 |
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Kontext |
Name der Provenienzstelle: | Departementssekretariat Inneres
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Verwaltungsgeschichte/Biografische Angaben: | Der verwaltungsorganisatorische Grundstein für eine Zentralstelle für Kriegswirtschaft auf Bundesebene wurde 1936 innerhalb des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements gelegt und am 01.04.1937 ernannte der Bundesrat den ersten Beauftragten für Kriegswirtschaft, dessen erste Arbeit in einer Bestandesaufnahme bestand. Das Sicherstellungsgesetz vom 01.04.1938 ermächtigte den Bundesrat zu Kontrollen, Vorschriften zur Lagerhaltung (Pflichtlager), Beschlagnahmung und Enteignung sowie zur Anordnung von Mehranbau. Die bundesrätliche Verordnung vom 08.03.1938 regelte den Aufbau einer kriegswirtschaftlichen Schattenorganisation unter der Leitung der Eidgenössischen Zentralstelle für Kriegswirtschaft, und mit dem Reglement vom 24.11.1938 teilte das EVD zivile Verwaltungsabteilungen in Kriegswirtschaftsämter ein (Artikel Kriegswirtschaft im Historischen Lexikon der Schweiz vom 03.11.2008). Im Gegensatz zur Kriegswirtschaft des Ersten Weltkriegs regelte die Preiskontrollstelle ab 1931 die Erhöhung der Warenpreise und Tarife und wurde integraler Bestandteil der Kriegswirtschaftspolitik im Zweiten Weltkrieg: Zielsetzung war das Tiefhalten des Preisniveaus und die Preisbildung nach den Gesetzmässigkeiten von Angebot und Nachfrage zu ersetzen (Artikel Preisüberwachung im Historischen Lexikon der Schweiz vom 25.02.2011).
Die innerhalb des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements geschaffene kriegswirtschaftliche Organisation begann ihre Arbeit am 04.09.1939 (Schweizerische Kriegswirtschaft 1939/1948, S. XIII). Die kriegswirtschaftliche Organisation umfasste zur Zeit ihrer vollen Tätigkeit acht Ämter: 1. Zentralstelle für Kriegswirtschaft, 2. Generalsekretariat des Volkswirtschaftsdepartements, 3. Kriegs-Ernährungs-Amt, 4. Kriegs-Industrie- und -Arbeits-Amt, 5. Kriegs-Transport-Amt, 6. Kriegs-Fürsorge-Amt, 7. Handelsabteilung des Volkswirtschaftsdepartements 8. Eidgenössische Preiskontrollstelle.
Diesen Ämtern waren verschiedene Sektionen untergeordnet (Vgl. Schema "Die kriegswirtschaftliche Verwaltung des Bundes" in: Schweizerische Kriegswirtschaft 1939/1948, S. XIII). Gleich wie im Ersten Weltkrieg erfolgte die Rationierung der Güter auch im Zweiten Weltkrieg in Stufen:
08.1939 Bezugssperre für Zucker, Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Fette und Öle 10.1939 Rationierung der obenstehenden Güter 07.1940 Brot darf nicht frisch verkauft werden 05.1941 zwei fleischlose Tage pro Woche 12.1941 Rationierung der Eier 07.1942 Abgestufte Rationierung mit grösseren Portionen für Schwerarbeiter 10.1942 Rationierung Brot 11.1942 Rationierung der Milch 05.1943 Streckung von Brot mit Kartoffeln 03.1945 Gestaffelte Aufhebung von Rationierungsmassnahmen und Reservelagern bis Juli 1948
Im Kanton Thurgau erhielt wie bereits im Ersten Weltkrieg das Departement des Innern und der Volkswirtschaft den Auftrag, die kriegswirtschaftlichen "ausserordentlichen Massnahmen" zu treffen (Vgl. Die Rubrik in den Rechenschaftsberichten RR TG 1938-1946). Mit den am 28.09.1936 in Kraft getretenen Währungsmassnahmen wurden eine Steigerung der Lebenshaltungskosten und generell Spekulationen befürchtet, weswegen der Kanton eine Stelle zur Preis- und Mietzinskontrolle einführte (innerhalb des kantonalen Laboratoriums). Mietzinserhöhungen bedurften nach Einführung dieser Stelle einer Genehmigung (Rechenschaftsbericht RR TG 1938, S. 60-61). Parallel zur Überwachung der Mietzinse wurde auch eine Pachtzinskontrolle für landwirtschaftliche Nutzflächen und Liegenschaften eingeführt, wobei als erstinstanzliche Genehmigungs- und Beschwerdeinstanz die Gemeinde und als Rekursinstanz das "kantonale Landwirtschaftsdepartement" bezeichnet wurde (Rechenschaftsbericht RR TG 1938, S. 61). |
| Oben beschriebene Massnahmen gingen in die eigentlichen kriegswirtschaftlichen Massnahmen über: "Die Anpassung der Wirtschaft an Verhältnisse, wie kriegerische Ereignisse sie hinsichtlich Zufuhr, Produktion, Verbrauch und Arbeitsorganisation bedingen, war seit 1938 vorbereitet und mit Kriegsausbruch viel weiter gediehen als 1914, wo nach langer Friedensperiode der Krieg, wenn auch befürchtend vorausgesehen, so doch völlig überraschend ausbrach." (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 54). Die kriegswirtschaftliche Administration wurde innerhalb bestehender Dienststellen umgesetzt, nicht zuletzt um die ohnehin durch die Mobilmachung an personellen Ressourcen knappen Ämter nicht noch zusätzlich zu schwächen: "Anlehnend an die Erfahrungen 1914/1918, durch sie aufgedeckte Fehler tunlichst vermeidend, ergab es sich als am zweckmässigsten, die sich täglich mehrenden kriegswirtschaftlichen und -fürsorglichen Aufgaben soweit möglich bestehenden Verwaltungsinstitutionen zu übertragen." (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 54). Die Kantonale Zentralstelle für Kriegswirtschaft wurde in Anlehnung an den Ersten Weltkrieg erneut beim Departement des Inneren organisatorisch verortet. Bis Ende 1939 entstanden neun kriegswirtschaftliche Zentralstellen und Massnahmenbereiche:
1. Mietzinskontrolle (Kantonales Laboratorium): Anhand eines Rentabilitätsformulars wurden Mietzins- , aber auch Pachtzinserhöhungen für gewerblich genutzte Objekte wie Gasthäuser und Wirtschaften beurteilt. Die Kontrolle beschränkte sich allerdings nur auf bereits bestehende Gebäude, bei Neubauten oder Umbauten mit Neubaucharakter, wo ein Mietzins neu festgesetzt werden musste, schritt die Stelle nicht ein (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 56).
2. Preiskontrolle (Kantonales Laboratorium): Die Preiskontrolle beanspruchte nach Kriegsausbruch im September 1939 bis Jahresende das Kantonale Laboratorium in erhöhtem Masse, da nicht weniger als 241 Verfügungen über höchstzulässige Verkaufspreise erlassen wurden. Die kantonale Stelle war vornehmlich für die Einhaltung der Höchstpreise verantwortlich (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 56-57).
3. Nahrungsmittel-Rationierung (Kantonales Laboratorium): Durch diverse Bundesvorschriften wurde ab 1938 die Sicherstellung der Landesversorgung hinsichtlich der freiwilligen Vorratshaltung an Lebensmitteln im Haushalt und der Bezugssperre für die zur Rationierung vorgesehenen Lebensmitteln zum Zeitpunkt der Mobilmachung geregelt. Die im Kanton Thurgau durch Verfügung des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements am 28.08.1939 eingeführte Sperre verfolgte die beiden Ziele, der Organisation zur Rationierung genügend Anlaufzeit zu schaffen und darüber hinaus Angst- und Hamsterkäufe zu verhindern. "Wenig Bemittelte, denen aus finanziellen Gründen die Vorratshaltung nicht zugemutet werden konnte, hatten bei der Gemeinde sich um den Bezug der 'blauen Karte' zu bewerben, welche allein zum Ankauf der gesperrten Lebensmittel – Zucker, Reis, Teigwaren, Hülsenfrüchte, Hafer und Gerste, Mehl und Griess, Speisefett und Speiseöl – berechtigte." (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 59). |
| Die Rationierung der Lebensmittel wurde zwischen August und Oktober aufgebaut und setzte ab 01.11.1939 ein. Mit dem 31.10.1939 hatten sämtliche Verkaufsstellen rationierter Nahrungsmittel über ihre Lagerbestände Buch zu führen, Ein- und Ausgänge aufzulisten, was als Ausgangswarenbestand für die am 1. November einsetzende Rationierung galt. 1939 waren Zucker, Reis, Hülsenfrüchte, Teigwaren, Hafer- und Gerstenprodukte, Griess-, Backmehl, Speisefette, Koch- und Salatöl rationiert. Nicht rationiert waren Brot, Milch, frische Butter, reine tierische Fette, Käse, Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Konserven, Kaffee und Tee. Ab dem 1. November erhielt jede Person eine nur für den betreffenden Monat gültige Rationierungskarte (Kinder unter 6 Jahren eine halbe Karte), die jeden Monat eine andere Farbe aufwies. Die Erstellung und Mutation von Personenregistern der Bezugsberechtigten sowie die Verteilung der Karten wurde den Gemeindefürsorgestellen überlassen. Die Geschäfte waren angehalten, die abgegebenen Coupons der Monatskarten oder Grossbezügercoupons auf vorgedruckte Kontrollbogen aufzukleben. Diese reichten sie bei den Gemeindestellen ein und erhielten dafür rote Lieferantencoupons mit unbeschränkter Gültigkeit, die sie zum Bezug neuer Ware legitimierten.
4. Heizstoff-Rationierung (Kantonsforstamt): Unter die Bezugssperre fielen ab 28.08.1939 auch Brennstoffe wie Kohle, Heizöl, Petrol und Sprit. Am 30.08.1939 wurde eine Bestandsaufnahme für Kohlen aller Art beim Handel und den Verkaufsstellen verfügt, die eigentliche Rationierung erfolgte ab dem 13. Oktober. Von den Bestimmungen ausgenommen war das Brennholz (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 64-65).
5. Treibstoff-Rationierung (Kantonale Automobilkontrolle) [Triebstoff-Rationierung im Original]
6. Arbeitseinsatz/Lohnausfall-Ausgleichskasse (Kantonales Arbeitsamt): Am 18.07.1939 wurde durch Regierungsratsbeschluss der Arbeitseinsatz im Kanton Thurgau dem Arbeitsamt übertragen, jede Gemeinde hatte bis Ende Juli eine Gemeindearbeitseinsatzstelle einzurichten. Grundlage des Arbeitseinsatzes war eine Betriebszählung aller "lebenswichtigen Betriebe im Kanton", welche Daten über Zahl der Leiter, Angestellten und Arbeiter sowie deren militärische Einteilung erhob. Die Betriebe wurden in die drei Kategorien "I unentbehrlich, II für die Versorgung der Bevölkerung notwendig, III im sonstigen volkswirtschaftlichen Interesse gelegen" eingeteilt. Auch in der Landwirtschaft wurden nebst dem Dienstgrad der Landwirte Enquêten über Betriebsgrösse, Acker- und Wiesland und Viehbestand erhoben. Diese Priorisierung der Betriebe sollte im Bedarfsfall eine Umverteilung der Arbeitskräfte von weniger wichtigen zu "lebenswichtigen" ermöglichen. Ein weiteres Aufgabenfeld der Zentralstelle für Arbeitseinsatz lag in der Kategorisierung der "Hilfsdienste" in vier Aufgebotsgruppen (A: rückt sofort mit der Mobilmachung ein, B: rückt ein auf Spezialbefehl, C: wird nur in dringenden Fällen aufgeboten, D: steht dauernd im Dienste der Wirtschaft). In diesem Zusammenhang überprüfte die Dienststelle auch Gesuche betr. Dispensationen: "Am 4. November 1939 erliess das Ameekommando, Generaladjutantur, einen allgemeinen Befehl betreffend das Urlaubs- und Dispensationswesen, der festlegte, dass Urlaub direkt durch die Truppe zu erledigen und Dispensationen durch Gemeinde- und kantonale Kommissionen an die Sektion für Dispensationen einzureichen seien. Im Einverständnis mit dem eidgenössischen Militärdepartement wurden im Thurgau diese Aufgaben den Gemeindearbeitseinsatzstellen und der kantonalen Zentralstelle für Arbeitseinsatz übertragen." (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 69). |
| 1940 wurden aufgrund eidgenössischer Vorschriften zwei kantonale Schiedskommissionen für die Lohnausgleichskasse sowie Verdienstausgleichskasse unter dem Präsidium von Obergerichtspräsident Hermann Schneller einberufen (Rechenschaftsbericht RR TG 1940, S. 77). Die Unterstützung für wirtschaftlich schwach gestellte Wehrmänner sowie die Beschaffung von Armeebedarf (Heu und Stroh) übernahm das Militärdepartement die Leitung der zivilen Kriegsfürsorge das Erziehungsdepartement (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 55).
7. Förderung des Ackerbaus (Landwirtschaftliche Schule Arenenberg): Die Aufgaben der Zentralstelle für Ackerbau lagen in der Instruktion der kommunalen Ackerbaustellen, der Durchführung der Anbauprämiierung, die technische Förderung des Ackerbaus sowie mit dem Bundesratsbeschluss vom 20.10.1939 die Ausdehnung des Ackerbaus (Mehranbaupflicht) (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 75).
8. Kartoffelversorgung (Lagerhaus VOLG Weinfelden): Mit Regierungsratsbeschluss vom 18.09.1939 wurde das VOLG Lagerhaus in Weinfelden als Zentralstelle für Kartoffelverwertung und -versorgung bestimmt. Aufgaben der Zentralstelle war die Überwachung des Handels und Verkehrs mit Kartoffeln, Organisation der Gemeindekartoffelstellen, Begutachtung von Bewilligungskarten für den Kartoffelhandel, Berichterstattung an das eidgenössische Kriegsernährungsamt (Rechenschaftsbericht RR TG 1939, S. 76).
9. Obstversorgung (Obstbauberatungsstelle Arenenberg)
Die Organisation der Kriegswirtschaft erfuhr keine wesentlichen Änderungen in den Kriegsjahren, sämtliche Organe mit Ausnahme der verschiedenen Schieds- und Rekurskommissionen waren bereits im Staatskalender von 1940 berücksichtigt. Die Zentralstelle für Kriegswirtschaft und ihre beigeschlossenen Stellen betreuten ab 1940 die Kernbereiche Mietzins- und Preiskontrolle, Nahrungsmittel-Rationierung, Heizstoff-Rationierung, Treibstoff-Rationierung, Arbeitseinsatz/Lohnausfall-Ausgleichskasse, Förderung des Ackerbaus, Kartoffelversorgung sowie Obstversorgung (Vgl. Staatskalender des Kantons Thurgau für das Jahr 1940, StATG 3'29'3). In den auf den Kriegsausbruch folgenden Jahren wurde der Aufgabenfächer diversifizierter, so gewann bspw. die "Altstoffwirtschaft" einen hohen Stellenwert: "Altstoffe und Abfälle erhalten angesichts der Einfuhrschwierigkeiten in unserem rohstoffarmen Land stets steigende Bedeutung als Rohstoffe für die industrielle und gewerbliche Produktion und ihre intensive Sammlung mindert die Gefahr der Arbeitslosigkeit aus Rohstoffmangel." (Rechenschaftsbericht RR TG 1941, S. 83-84). Die Sammlung genannten Recyclingguts oblag den Gemeinden, die wiederum konzessionierte Sammler, obere Schulklassen oder Pfadfinder mit der Sammlung beschäftigten (Rechenschaftsbericht RR TG 1941, S. 84).
1946 umfasste der Aufgabenfächer der Kriegswirtschaft folgende Amtsstellen und Themengebiete: Das Departement des Innern war zuständig für Altstoffe und deren Handel, Gewerbehilfe, Risikogarantie, Liegenschaftenhandel und -verkehr sowie Bewilligung warmer Speisen nach 21.00 Uhr. Das Kantonale Arbeitsamt war in den Aufgabenfeldern Arbeitseinsatz, Lohn- und Verdienstersatzordnung, Vollzug des Heimarbeitsgesetzes, Lehrlingswesen und der männlichen Berufsberatung tätig. Das Kantonale Laboratorium übernahm wie im Ersten Weltkrieg Rationierungsmassnahmen wie Lebensmittel-, Seifen-, Waschmittel- und Kautschukrationierung sowie die Preis- und Mietzinskontrolle. Die Fachstelle für Hochbau nahm sich der Wohnbautätigkeit an. Der Rechtsdienst für Kriegswirtschaft wurde von Fürsprech Dr. Max Haffter in Frauenfeld besorgt. |
| Der Kantonstierarzt beaufsichtigte die Anpassung der Viehbestände und die Wollablieferung. Die Landwirtschaftliche Schule Arenenberg und deren Zentralstellen für Gemüseanbau und Obstversorgung wandten sich u.a. der Saatgutbeschaffung zu, die Kantonale Ackerbaustelle in Ermatingen war verantwortlich für den Mehranbau und die Futtermittelzuteilung. Das Kantonale Brennstoffamt beaufsichtigte die Abgabe von Brenn- und Heizmaterialien sowie die Revision der Backofenanlagen. Das Militärdepartement befasste sich mit dem militärischen und zivilen Bedarf an Heu, Emd, Getreide- und Rietstreue. Das Forstamt übernahm die Aufgaben: Rodungen, Preiskontrolle für Holz, Handel mit Rundholz sowie Kontingentierung. Das Polizeidepartement überwachte Heizungsanlagen, deren Revision und Kontrolle (Staatskalender des Kantons Thurgau für das Jahr 1946, StATG 3'29'4).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rubrik "Ausserordentliche und kriegswirtschaftliche Massnahmen" noch bis zum Rechenschaftsbericht des Kantons Thurgau für das Jahr 1947 beibehalten. Insbesondere im Bereich der Mietzinskontrolle stiegen nach wie vor die zu behandelnden Fälle weiter an (1945 insgesamt 797 Mietobjekte, 1946 1'220 Mietobjekte, 1947 1'249 Mietobjekte). Auch im Bereich der Preiskontrolle führte das Kantonale Laboratorium im Auftrag der Eidgenössischen Preiskontrollstelle mehrere Nachkontrollen durch. Die Rationierungsmassnahmen für Gebrauchsgüter wurden hingegen 1947 weitgehend aufgehoben (Bewirtschaftung von Gummireifen, Seife und Waschmitteln) und das Mahlzeitencouponsystem fiel am 14.11.1947. "Am 31. Dezember 1947 waren nur noch Milch, Brot, Mehl, Teigwaren, Reis, Zucker sowie Fette und Öle der Rationierung unterstellt." (Rechenschaftsbericht RR TG 1947, S. 49). Worauf sich das "nur" im Rechenschaftsbericht bezog, ist fraglich, standen 1947 doch die gleichen Nahrungsmittel unter Rationierungsmassnahmen wie zu Kriegsbeginn… Ebenfalls rationiert wurden nach wie vor Brennstoffe.
Im Bereich des Arbeiterschutzes standen die grössten Änderungen bevor, nachdem das Gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV am 06.07.1947 angenommen worden war. Der Regierungsrat beauftragte die bestehende kantonale Ausgleichskasse mit der Durchführung und die Gemeindezweigstellen mit der Wahl von Leitern. Mit dem Bundesratsbeschluss vom 23.12.1947 wurde die Einstellung der Beitragspflicht in der Lohn- und Verdienstersatzordnung, die Auflösung der Wehrmannsausgleichskassen und die Übertragung ihrer Aufgaben auf die Ausgleichskassen der AHV beschlossen (Rechenschaftsbericht RR TG 1947, S. 52-53).
Als Ende der Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkriegs kann die Aufhebung der Kantonalen Zentralstelle für Rationierung mit Wirkung ab 01.09.1948 gelten (Regierungsratsbeschluss Nr. 1626 vom 07.09.1948). Die Zentralstelle gehörte zum Kantonalen Laboratorium und stand unter der Leitung von Kantonschemiker Dr. Ernst Philippe. Neben dem Kanzleichef Adolf Motz gehörten zum Schluss noch acht Aushilfsangestellte zum Personalbestand. Wie vom Bundesrat angeordnet, bestand eine "Schattenorganisation" kriegswirtschaftlicher Art weiter "für den Fall, dass sich plötzlich neue Rationierungsmassnahmen als notwendig erweisen".
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Bestandsgeschichte: | Gemäss Zuwachs- und Abgangsbuch des Staatsarchis Thurgau wurden die kriegswirtschaftlichen Unterlagen im Mai 1947 vom Departement des Innern an das Staatsarchiv abgeliefert. StATG 4'142 und 4'145 standen seither zusammenvermengt im Zwischenarchiv, erhielten vor dem Umzug des Staatsarchivs 2011 eine neue provisorische Akzessionsnummer (@ZA 000) und wurden im Endarchiv nach Archivtektonik im Bereich 4'14 zwischengelagert. Da allerdings im Bestand zur Kriegswirtschaft Zweiter Weltkrieg Unterlagen aus den 1970er Jahren vorhanden sind, muss es mindestens eine Nachlieferung gegeben haben.
Die Akten blieben teilweise in ihren Originalverpackungen aus den 1940er Jahren (mit Packpapier verschnürt, Bundesordner/Ordner, Couverts, etc.) oder wurden nach der Ablieferung an das Staatsarchiv teilweise in nicht alterungsbeständige Stulpdeckschachteln verpackt. Da die wenigsten losen Akten durch Dossiermäppchen geschützt waren, musste eine aufwändige Einzelblattreinigung vorgenommen werden.
Die Bestände 4'142-4'145 wurden von Ernst Guggisberg zwischen Oktober 2011 und Mai 2012 in 421 Arbeitsstunden erschlossen.
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Direktübernahme von Provenienzstelle: | Ja. |
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Inhalt und innere Ordnung |
Bewertung und Kassation: | Der Bestand wurde vollständig erschlossen, es fanden keine Nachkassationen ausgenommen der Dubletten von Rundschreiben und Zirkularen statt.
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Ordnung und Klassifikation: | Der Bestand wird durch die "Rechtlichen Grundlagen" im ersten Fonds mit den mengenmässig dominierenden eidgenössischen und kantonalen Erlassen und Rundschreiben eröffnet. Anschliessend folgt der organisatorisch klar abgrenzbare proveniente Fonds der Zentralstelle inkl. Rechtsdienst. Daran schliessen die - aufgrund ihrer diversen Aktenbildner schwer trennbaren - pertinenten Fonds (bspw. Lohn- und Verdienstausfall, zivile Kriegsfürsorge) an. Der Bestand wird abgeschlossen durch eine Sammlung von Rationierungskarten (in den Verzeichnungseinheiten StATG 4'145'39, 10/1 sowie StATG 4'145'40, 10/2 als Ansichtsexemplare in Form zweier Ordner übersichtlich konsultierbar) sowie durch Druckschriften und Überformate.
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Zugangs- und Benutzungsbedingungen: |
Rechtsstatus: | Eigentum des Staatsarchivs des Kantons Thurgau. |
Zitiervorschlag: | Fussnote: StATG 4'145'*, */*
Quellenverzeichnis: StATG 4'145 Kriegswirtschaft 2. Weltkrieg 1939-1975
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Sprachen: | Deutsch (Kurrent, Handschrift, Faktur, Maschinenschrift)
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Finding aids: | Keine |
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Sachverwandte Unterlagen: |
Verwandte Verzeichnungseinheiten: | StATG 4'329 Finanzen Staatsanstalten: Betriebsrechnungen Kantonales Laboratorium 1893-1995
StATG 4'357 Eidgenössische Abgaben: Kriegssteuer 1915-1940
StATG 4'40 Militärdepartement allgemein 1812-1978
StATG Militär: Ortswehren und Bürgerwehren 1914-1967
StATG 4'439 Internierung 1871, 1916/1917, 1940, 1956
StATG 4'444 Aktivdienst, Plakate Mobilmachung 1904-1945
StATG 4'46 Militär: Rechnungs- und Justizwesen 1803-1969
StATG 4'517 Sicherheits- und Fremdenpolizei: Akten 2. Weltkrieg 1939-1945
StATG 4'861 Kantonales Laboratorium: Jahresberichte 1892-2003
StATG 4'957 Armenwesen: Weltkriege und Auslandschweizer 1915-1947
StATG 9'16, 7.0 Landwirtschaftliche Schule Arenenberg: Kantonale Zentralstellen 1901-1986
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Veröffentlichungen: | Eidgenössische Zentralstelle für Kriegswirtschaft (Hg.): Verzeichnis der kriegswirtschaftlichen Organe der Kantone und des Fürstentums Liechtenstein, dritte Ausgabe, Stand Mai 1945.
Eidgenössische Zentralstelle für Kriegswirtschaft (Hg.): Die schweizerische Kriegswirtschaft 1939/1948. Bericht des Eidg. Volkswirtschafts-Departementes, Bern: Eidgenössische Drucksachen- und Materialzentrale, 1950
Groebner, Valentin; Guex, Sébastien; Tanner, Jakob (Hg.): Kriegswirtschaft und Wirtschaftskriege. Economie de guerre et guerres économiques, Schweizerische Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 23, Zürich: Chronos Verlag, 2008
Kellerhals-Maeder, Andreas: Wider das Vergessen. Der Zweite Weltkrieg – die Schweiz – die Quellen. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, Band 47 (1997), Heft 4
Schoop, Albert: Geschichte des Kantons Thurgau, Band 1 Chronologischer Bericht, Frauenfeld: Huber Verlag, 1987
Schoop, Albert; et. al.: Geschichte des Kantons Thurgau, Band 2 Sachgebiete I, Frauenfeld: Huber Verlag, 1992
Schoop, Albert, et. al.: Geschichte des Kantons Thurgau, Band 3 Sachgebiete II, Frauenfeld: Huber Verlag, 1994
Speiser, Ernst: Die schweizerische Wirtschaft im Kriege. In: Schweizerische Bauzeitung, Band 117/118 (1941), Heft 5
Staatsarchiv Aargau (Hg.), Thoma, Denise: Kantonale Zentralstelle für Kriegswirtschaft (KZK) 1939-1942. Weisungen, Protokolle und Unterlagen zur Rationierung, 2. Auflage, Aarau: Internetpublikation www.ag.ch/staatsarchiv, 2008
Tanner, Jakob: Bundeshaushalt, Währung und Kriegswirtschaft. Eine finanzsoziologische Analyse der Schweiz zwischen 1938-1953, Zürich: Limmat-Verlag, 1986
Thoma, Denise: Wirtschaftspolitik in Zeiten der Krise. Die Kantonale Zentralstelle für Kriegswirtschaft (KZK) im Aargau 1939-1948. In: Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, Band 121, Baden: hier + jetzt Verlag, 2009
Verzeichnis der kriegswirtschaftlichen Organisationen des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (Stand Februar 1945), Auszug aus dem Schweiz. Handelsamtsblatt Nr. 41 vom 19.02.1945
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Usage |
End of term of protection: | 12/31/1995 |
Permission required: | Keine |
Physical Usability: | uneingeschränkt |
Accessibility: | Oeffentlich |
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URL for this unit of description |
URL: | https://query-staatsarchiv.tg.ch/detail.aspx?ID=379271 |
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